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Die Pomologie ist die Lehre von den Obstarten und Obstsorten und umfasst deren Bestimmung, Beschreibung, Empfehlung und Erhaltung.
Pomona ist die römische Göttin des Obst- und Gartenbaus.

Landesgruppe Hessen


Ansprechpartner


Für die Landesgruppe Hessen:
Werner Nussbaum
Taunusstraße 17
61137 Schöneck
Tel.:
(0173) 197 86 77 
E-Mail: werner_nussbaum@web.de

 


Redaktion “Hessische Lokalsorte des Jahres”:
Steffen Kahl
Bachstraße 28
35614 Aßlar
Tel.: (06443) 39 62
E-Mail: steffen.kahl@online.de
 

 

Die „Hessische Lokalsorte des Jahres“

wird jährlich durch den Pomologen-Verein e. V., Landesgruppe Hessen, benannt. Das Organisationsteam will auf alte, erhaltenswerte Obstsorten in Hessen aufmerksam machen. Dabei werden jedes Jahr entsprechende Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt und geleistet. Diese können sein:

  • Pflegemaßnahmen an Altbäumen
  • Reiserwerbung und Abgabe an Baumschulen
  • Pflanzaktionen
  • Herstellung sortenreiner Produkte
  • Sortenbeschreibungen
  • Vorträge und Ausstellungen

Durch diese Maßnahmen soll für unsere heimischen Obstarten und -sorten geworben werden, um sie langfristig erhalten zu können.

Wer kennt sie noch? Apfelsorten wie ‘Dorheimer Streifling’, ‘Cromelor’ oder ‘Siebenschläfer’ sind hessische Lokalsorten, die nur noch selten auf den Streuobstwiesen oder in Hausgärten zu finden sind. Dabei werden sie von der Bevölkerung aufgrund ihrer typischen Eigenschaften in Bezug auf Geschmack und Verarbeitung besonders geschätzt.
 


Hessische Lokalsorte des Jahres 2010 ´Gestreifter Matapfel´

Gestreifter-MatapfelIn der Gruppe der Matäpfel finden sich in Hessen zahlreiche Variationen. Sie gehörten vor 150 Jahren zu den verbreitetsten Sorten. Neben dem Braunen und dem Weißen Matapfel waren es vor allem die ´Rheinische Schafsnase´ (früherer Name „Leichter Matapfel“) und der ´Gestreifte Matapfel´, die auf den Märkten im Rhein-Maingebiet mit dem edlen Tafelobst konkurrierten. Beim Gestreiften Matapfel handelt es sich wahrscheinlich um eine sehr alte Regionalsorte, die vermutlich auch den Pomologen Christ und Diel bekannt war. Aufgrund der früher großen Verbreitung haben sich zahlreiche Synonyme eingebürgert, wie z. B. Berliner, Berliner Schafsnase, Steilapfel oder Rettigapfel.

Wie der Apfel zu seinem fälschlich verbreiteten Namen „Berliner Schafsnase“ kam, ist nicht bekannt. 1951 wurde die Sorte unter dieser Bezeichnung im Landesobstsortiment für Hessen-Nassau, als anspruchsloser Apfel für einzelne Bezirke, empfohlen.

Heute kommt die Sorte regional im Streuobstbau, vor allem in der Wetterau, im Main-Taunus-Kreis, in Wiesbaden und anderen Gegenden in Südhessen und der Pfalz vor.

Die Sorte zählt zu den anspruchslosen und robusten Lokalsorten, die sich durch regelmäßige und hohe Erträge auszeichnet. Sie dient vorwiegend als Wirtschaftsapfel und ist besonders wertvoll für die Apfelweinherstellung. Durch die relativ späte und unempfindliche Blüte ist sie auch für höhere Lagen im Taunus und Odenwald geeignet.

PflanzungOberjosbach,2009

Die „Hessische Lokalsorte des Jahres 2010“ wurde, gemeinsam mit Apfelfreunden, im Herbst 2009 und im Frühjahr 2010 in Niedernhausen-Oberjosbach vorgestellt. Dort wurden inzwischen mehrere Jungbäume gepflanzt.

 

 

 

 

PflegeaktionOberjosbach,03-2010

Bei der Pflanz- und Pflegeaktion Anfang März 2010, konnte mit vereinten Kräften auch ein Altbaum geschnitten und verjüngt werden.

 

Unterstützt wird die Kampagne 2010 durch die Streuobstroute Nassauer Land e.V.
www.streuobstroute-nassauer-land.de 
und die Kelterei Hoppe/Brechen
www.kelterei-hoppe.de .
Jungbäume werden durch die Baumschule Heinrich/Bischofsheim herangezogen und stehen für Pflanzungen zur Verfügung.

Ein entsprechendes Faltblatt konnte durch die finanzielle Unterstützung der Partner erstellt und inzwischen herausgegeben werden.

Bericht: Steffen Kahl am 20.04.2010



Hessische Lokalsorte des Jahres 2009 “Dorheimer Streifling”

Dorheimer-Streifling-in-Wingert-Dorheim

„Der Opa hat immer davon erzählt“ oder „Den hab ich schon lange umgemacht!“ waren die Antworten, die bei der Suche nach der Wetterauer Lokalsorte gegeben wurden, bis letztlich im Herbst 1995 drei Standorte des „Streiflings“ durch einen Zeitungsaufruf der Naturschutzgruppe Friedberg-Dorheim identifiziert werden konnten. Später kamen weitere Funde hinzu, wobei bis heute nur acht Altbäume registriert sind. Ihr durchschnittliches Alter wird auf ca. 80 Jahre geschätzt. Der größte Baum steht in dem Dorheimer Streuobstgebiet „Wingert“ und hat einen Stammumfang von ca. 2 Meter.

Dorheimer-StreiflingDurch die Bemühungen vonNaturschützern und Pomologen ist der Bestand vorerst gesichert. Auch wenn inzwischen wieder Jungbäume in heimischen Baumschulen zu beziehen sind, handelt es sich um eine seltene, begrenzt vorkommende Apfelsorte.

 

Vorstellung-beim-HerbstmarkNach langem Suchen und Beobachten ist es an der Zeit, diesen wohlschmeckenden und attraktiven Apfel zur „Hessischen Lokalsorte des Jahres“ zu küren. In diesem Jahr wurde auf dem „Markt der Region“, im Rahmen des Herbstmarktes der Stadt Friedberg, der ´Dorheimer Streifling´ als Lokalsorte 2009, durch Gerd Bauschmann, NABU Friedberg und Steffen Kahl, der Öffentlichkeit vorgestellt. Unterstützung fand der Pomologen-Verein in seiner Kampagne durch den NABU Friedberg (Naturschutzgruppe Friedberg-Dorheim e. V.), den Obst- und Gartenbauverband Wetteraukreis sowie durch Reiner Emmerich, Wetterauer Edelobstbrand. In Zusammenarbeit mit der Baumschule Rinn in Heuchelheim (www.rinnbaumschule.de), wurden Jungbäume herangezogen und stehen nun für Pflanzungen zur Verfügung.

Das neue Faltblatt konnte mit finanzieller Unterstützung der Partner erstellt und in Friedberg präsentiert werden.

Ein besonderer Dank gilt unserem Mitglied Gerd Bauschmann/Dorheim, der sich seit Jahrzehnten um den Erhalt und den Schutz heimischer Streuobstwiesen, speziell den „Wingert“ in Dorheim und seine alten Obstsorten, wie den Dorheimer Streifling, kümmert.

Neben einer Pflanzaktion im Freilichtmuseum Hessenpark bei Neu Anspach, sind weitere Aktionen, die dem Erhalt dieser Lokalsorte dienen geplant. Eine Pflanz- und Pflegeaktion findet am 10. März 2009, am ältesten Baum in Dorheim statt. Weitere Informationen finden Sie zu gegebener Zeit auf dieser Homepage unter “Termine”.

Bericht: Steffen Kahl am 4.12.2008


Hessische Lokalsorte des Jahres 2008 “Ausbacher Roter”

Lokalsorte2008Am 3.11.2007 konnte die „Hessische Lokalsorte des Jahres 2008 – Ausbacher Roter“ im Rahmen der 10. Hessischen Pomologentage in Naumburg bei Kassel der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Erstmals wurde die Jahresaktion in Eigenregie des Pomologen-Vereins durchgeführt. Unterstützung fand die Landegruppe Hessen durch die Rhöner Apfelinitiative e. V., der Kuppenrhöner Kelterei „Ausbacher Roter“, der Kelterei Elm/Flieden und der Baumschule Georg Leinweber/Niederkalbach (Mitglied im Pomologen-Verein). Das neue Faltblatt konnte mit finanzieller Unterstützung der Partner erstellt und ebenfalls in Naumburg vorgestellt werden. Ein besonderer Dank gilt unserem Mitglied Albert Deiß aus Ausbach, der sich seit Jahrzehnten um den Erhalt dieser Lokalsorte kümmert und der ein großes Körbchen der begehrten Früchte zur Präsentation mitgebracht hatte. Neben ihm war auch der Ausbacher Ortsvorsteher Heinrich Fischer nach Naumburg gekommen.

Ausbacher-RoterDer ´Ausbacher Roter´ ist eine alte Apfelsorte, die erstmals um 1870 in der Gemarkung Ausbach beobachtet wurde. Wahrscheinlich stammt sie ursprünglich aus dem Schlossgarten in Philippsthal, wo sie möglicherweise schon in dem vormaligen Klostergarten Creuzberg in Kultur gewesen war. Überregional bekannt geworden ist der „Rotapfel“ durch das Werk „Deutschlands Obstsorten“ (1905-33), in dem der Apfel als eine der letzten Sorten unter Nr. 310 aufgenommen wurde. Seither hat er sich vereinzelt auch überregional verbreitet, so sind z. B. um 1940 ca. 200 Bäume in den Landkreis Kassel gelangt. 1995 gründete sich die Kuppenrhöner Kelterei „Ausbacher Roter“ in der Apfelgemeinde und 2002 war die Sorte bereits „Apfel des Jahres“ in der Rhön, der durch die Rhöner Apfelinitiative seither jedes Jahr gewählt wird. Für das nächste Jahr sind weitere Aktionen, die dem Erhalt alter Obstsorten und speziell dem ´Ausbacher Roter´ dienen, geplant. Unter anderem wird die Sorte an dem 100jährigen Jubiläum der Gemeinde Hohenroda, am 14. September 2008, im „Schloss“ vorgestellt.

Der ´Ausbacher Roter´ ist u.a. über die Baumschule G. Leinweber/Niederkalbach www.baumschule-leinweber.de zu beziehen.

Steffen Kahl, November 2007


Neues Apfelmodell – Ausbacher Roter - der Firma SOMSO

Nachdem im November 2007 die „Hessische Lokalsorte des Jahres 2008 – Ausbacher Roter“ der Öffentlichkeit präsentiert wurde, können wir jetzt eine entsprechende Frucht-Nachbildung dieser Sorte aus dem Hause SOMSO vorstellen. Die Modellfertigung mit Papiermaché hat in der Firma große Tradition. Seit über 130 Jahren werden nach alten, hauseigenen Rezepten in stückbezogener Handarbeit wie das Drücken, Retuschieren, Bemalen und Dekorieren mit Wachs neue Fruchtmodelle gefertigt. Nach dem Motto „Unser Vorbild ist die Natur“ entsteht ein Ergebnis höchster Naturtreue und bietet einen ästhetischen Genuss für jede Dekoration.

Ab 1880 hatte Marcus Sommer sen., in Abstimmung mit dem Deutschen Pomologenverein, ein umfangreiches Sortiment an Fruchtmodellen hergestellt (s. Jahresheft 2006, S. 17-19). Inzwischen hat SOMSO seine historische pomologische Früchtesammlung durch Streuobstsorten erweitert.

AusbacherRoter26

Neues Fruchtmodell der Sorte ´Ausbacher Roter´ der Firma SOMSO (Foto: SOMSO)

In diesem Zusammenhang hat die Landesgruppe Hessen, im Rahmen der Kampagne „Hessische Lokalsorte des Jahres“, eine Nachbildung der Apfelsorte ´Ausbacher Roter´ im Herbst letzten Jahres in Auftrag gegeben. Die Originalfrüchte stammen von Herrn Albert Deiß aus Ausbach. Zunächst wurde ein Abguss durch Herrn Günther Volk (SOMSO) vorgenommen und ein erstes Muster erstellt. Nach einer Begutachtung des Verfassers wurden lediglich kleine Korrekturen vorgenommen. Das neue Modell wird sogar die Nachbildung des Original-Stieles haben und ist somit eine naturgetreue Kopie des „Rotapfels“. Ein besonderer Dank gilt Herrn Hanno Klug (SOMSO), der in filigraner Handarbeit die Bemalung des pomologischen Modells vorgenommen hat.

Das neue Apfelmodell – Ausbacher Roter ist unter der Nummer 03/42 zum Preis von 57,50 €, zzgl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer zu bekommen. Die Lieferzeit beträgt derzeit ca. 3 Monate.

Bezug: Marcus Sommer SOMSO Modelle GmbH, Friedrich-Rückert-Str. 54, 96450 Coburg, Tel.: 09561/85740, somso@somso.de , www.somso.de 

Steffen Kahl, 13.04.2008


Aktionen zur Hessischen Lokalsorte 2007 - “Kloppenheimer Streifling”

Nachdem der ´Kloppenheimer Streifling´ im Herbst 2006 zur Lokalsorte des Jahres 2007 gekürt wurde, haben verschiedene öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen und Aktionen stattgefunden. Zunächst wurde die Sorte im Rahmen der EUROPOM 2006 in Naumburg einem breiten Fachpublikum vorgestellt. Zwar gab es keine Früchte vom einzigen Altbaum aus Wiesbaden-Igstadt, aber immerhin waren einige, wenige Äpfel einer Nachzucht aus Nordhessen zu bewundern.

Erste Pflanzung in Wiesbaden
Bereits Ende November 2006 pflanzten 5 Schülerinnen und Schüler, als Abschluss und Höhepunkt eines Projektes der Jahrgangsstufe 7 der Humboldt-Schule in Wiesbaden, einen Baum der Wiesbadener Lokalsorte. Unter Anleitung von Ulrich Kaiser, Streuobstkreis Wiesbaden e.V., konnte der junge Baum fachgerecht gepflanzt werden.

Pflanz- und Pflegeaktion in Igstadt
Am 8. März 2007 hat die Landesgruppe Hessen eine entsprechende Aktion am einzigen Altbaum in Wiesbaden-Igstadt organisiert und durchgeführt.

Pflanzung in Igstadt
„Die Szene wirkt zunächst befremdlich: Zwölf Menschen in robuster Kleidung stehen auf einem Igstädter Acker um ein Loch herum und bewundern ein Bäumchen mit vier Trieben…“ so der Anfang des Artikels im Wiesbadener Kurier (von Meike Ferrari, 9. März 2007, S. 6). Letztlich hatte die Aktion aber für Begeisterung bei allen Beteiligten, u.a. dem Baumbesitzer E. Goßmann, Frau Milke-Frenz (Ortsvorsteherin Kloppenheim), dem Heimatverein Kloppenheim, der Presse und dem Hessischen Rundfunk (hessenschau und hr 4) sowie den Mitgliedern des Pomologen-Vereins, gesorgt.

Neben der Pflanzung eines Nachkommens, wurde auch der Altbaum einer fachgerechten Verjüngung unterzogen. Heiko Fischer, Speierlingsexperte aus Kronberg, war mit seiner Luftdruckschere, Speierlingsbrand und Apfelkuchen mit ´Gelber Edelapfel´ eifrig bei der Sache. Insgesamt eine sehr gelungene Sache, die nicht nur zum Erhalt des „Streiflings“ beigetragen hat.

Pflanzung im Freilichtmuseum Hessenpark
Wie jedes Jahr wurde durch die Künstlergruppe „Artelino“ ein Baum der Hessischen Lokalsorte des Jahres im Hessenpark, bei Neu Anspach gepflanzt. Am 22. März 2007 war es wieder so weit. Bei gewohnt schlechtem Wetter, aber Sonne im Herzen, haben die Akteure der Künstlergruppe unter fachlicher Anleitung von Steffen Kahl, d.h. eigentlich haben nur zwei gearbeitet und alle Anderen haben sich bei einem Schnaps die Hände gewärmt, das Bäumchen in den kargen Boden im Windschatten des Feldberges gepflanzt.
Das Loch hatte zuvor Thilo Kappus mit dem Bagger ausgehoben, der wie immer eine hervorragende Vorarbeit geleistet hatte. Auf diese Art und Weise konnten inzwischen seit 2002/2003 fünf hessische Lokalsorten im Hessenpark gepflanzt werden. Den „Artelinos“, dem Hessenpark und dem Autohaus Schäfer wird an dieser Stelle herzlich gedankt!

Infotafel zum Kloppenheimer Streifling
Auch der Streuobstkreis Wiesbaden e. V. hat sich die vom Aussterben bedrohte Apfelsorte auf ihre Fahne geschrieben.

InfotafelAm 27.10.2007 konnte die mit finanzieller Unterstützung des Ortsbeirats Kloppenheim erstellte Informationstafel zum ´Kloppenheimer Streifling´ eingeweiht werden. An der Einweihung nahmen u.a. die Wiesbadener Apfelweinkönigin Diane I und die Umweltdezernentin Rita Thies teil, welche die Tafel auch enthüllten.

Ulrich Kaiser, Vorsitzender des Streuobstkreises, dankte besonders den anwesenden Pomologen für die fachliche Unterstützung und die Bereitstellung des Bildmaterials. Die Tafel steht in einem großen Streuobstgebiet, südöstlich des Kloppenheimer Grillplatzes, an der ausgeschilderten Streuobstroute und dem Radfernwanderweg R6.

Bericht: Steffen Kahl, November 2007    Druckversion mit weiteren Fotos


Kloppenheimer Streifling - „Hessische Lokalsorte 2007“

Mit dem Kloppenheimer Streifling wurde eine der bedrohtesten Apfelsorten in Hessen zur Lokalsorte des Jahres gewählt. Derzeit ist nur ein einziger Altbaum dieser Lokalsorte bekannt. Er steht in Wiesbaden-Igstadt und wurde um 1936 gepflanzt. Zwar sind in letzter Zeit zahlreiche junge Bäume nachgepflanzt worden, dennoch besteht die Gefahr, dass der Streifling aus Kloppenheim von unseren Streuobstwiesen verschwindet.

Praesentation2007

Aus diesem Grund wurde der Kloppenheimer Streifling durch die Landesgruppe Hessen, des Pomologen-Vereins, im Herbst 2006 (am 24. September) zur Lokalsorte 2007 gekürt. Sie wurde auf dem Apfelmarkt der Naturschutz-Akademie Hessen in Wetzlar der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine kleine Delegation aus Kloppenheim, u.a. Ortsvorsteherin Erika Milke-Frenz folgte der Einladung und freute sich über diese Ehrung, die mit Sicherheit in die Kloppenheimer Chronik eingehen wird. In Kloppenheim hat sich inzwischen ein Freundeskreis des „Streiflings“ gebildet, der seit ca. 2 Jahren in der Gemarkung junge Bäume der Sorte pflanzt und pflegt.

Die Landesgruppe Hessen beabsichtig am 08. März 2007 den einzigen Altbaum, gemeinsam mit seinem Besitzer fachgerecht zu schneiden und einen neuen Baum zu pflanzen (s. Termine Hessen).

Die Baumschule Heinrich, Hessenring 31, 65474 Bischofsheim, unterstützt das Projekt zur Erhaltung hess. Lokalsorten und hat entsprechend Bäume der diesjährigen Lokalsorte angezogen.

Weitere Informationen zur Lokalsorte 2007 – Kloppenheimer Streifling sind dem Faltblatt sowie dem Jahresheft 2006: „Kloppenheimer Streifling – Geschichte einer hessischen Lokalsorte“ (Kahl, 2006, S. 110/111) zu entnehmen.

Bericht: Steffen Kahl am 17.02.2007


Die Hessischen-Lokalsorten als PDF-Datei für den persönlichen Gebrauch:

Gestreifter Matapfel 2010, 347 kb
Dorheimer Streifling 2009, 637 kb
Ausbacher Roter 2008, 373 kb
Kloppenheimer Streifling 2007, 370 kb
Gacksapfel 2006, 226 kb
Ditzels Rosenapfel 2005, 260 kb
Körler Edelapfel 2004, 354 kb   
Heuchelheimer Schneeapfel 2003, 133 kb


Reiserbörse 2008

Am 14. März 2008 fand „Der Runde Tisch – Alte Obstsorten“ mit der alljährliche Reiserbörse der Landesgruppe Hessen des Pomologen-Vereins statt. Treffpunkt war diesmal das Dorfgemeinschaftshaus in Butzbach-Münster. 32 TeilnehmerInnen hörten zunächst einen Vortrag vom Landessprecher Werner Nussbaum über die Streuobstkartierung in Maintal-Hochstadt, bei der der Pomologen-Verein insbesondere im Bereich der Sortenbestimmung stark eingebunden war (s. Jahresheft 2007, S. 70-78).

Im Rahmen der Wahl zur „Hessischen Lokalsorte des Jahres -2011“ gab Steffen Kahl zunächst Informationen zu der laufenden Jahresaktion 2008 – Ausbacher Roter. Im Vordergrund steht die Präsentation des „Rotapfels“ auf dem 100jährigen Jubiläum des Gutsbezirks Hohenroda, am 14. Sept . 2008 (s. Termine). Außerdem ist in Kürze die Herausgabe einer Frucht-Nachbildung (Wachsmodell) der Firma SOMSO vorgesehen.

Die Jahresaktionen für die beiden gewählten Lokalsorten 2009 –Dorheimer Streifling und 2010 –Gestreifter Matapfel (Zorn) befinden sich bereits in Vorbereitung. Die durch Steffen Kahl vorgeschlagene ´Metzrenette´ wurde durch die anwesenden TeilnehmerInnen für das Jahr 2011 gewählt. Dieser wohlschmeckende Tafelapfel stammt aus der Region Fritzlar und wurde bereits 1892/95 in den Pomologischen Monatsheften beschrieben.

Im Anschluss wurde der Startschuss zum Reisertausch gegeben. 12 der TeilnehmerInnen hatten Reiser von 72 Sorten mitgebracht. Eindeutig dominiert haben dabei die Äpfel mit 60 Vertretern. Außerdem waren 6 Birnen, 5 Steinobstsorten und Reiser von der Mispel (Mespilus germanica ´Holländische´) mitgebracht worden.

Die Anwesenden nahmen jede Menge Reiser der Sorten von A wie Anhalter, B wie Bischofsmütze (Zorn), C wie Carpentin bis Z wie Zuckerbirne mit nach Hause.

Reiserboerse2008

Im Vorfeld der Reiserbörse hatten ungefähr ein Dutzend fleißige HelferInnen einen Arbeitseinsatz auf der vor zwei Jahren neu angelegten Pomologen-Wiese in Butzbach-Ostheim absolviert. Dort werden bekanntlich solche Sorten zu sehen sein, die an namhafte Pomologen erinnern, wie z.B. Diels Butterbirne, Oberdiecks Renette, etc.

Bei dem Pflegeeinsatz wurden die Baumscheiben und Disteln gehackt, Steine gelesen und Schnittmaßnahmen durchgeführt. Unser Foto zeigt die HelferInnen beim Einsatz.

Bericht: Martina Adams, Foto: Werner Nussbaum


Kirschenexkursion im Heiligen Grund in Ockershausen bei Marburg/Lahn

Bericht von Klaus Schuh

Am 1. Juli 2006 unternahmen zahlreiche Mitglieder der Landesgruppe Hessen des Pomologen Vereins eine erneute Kirschensorten-Wanderung im Marburger Land rund um Ockershausen.

Steffen Kahl lud im Rahmen des Runden Tisches „Alte Obstsorten“ zu dieser informativen und vorbildlich organisierten Exkursion ein.

Dr. Norbert Clement konnte als Initiator des Kirschenprojekts in seiner Heimatgemeinde als Referent gewonnen werden. Die Gemeinde besteht aus vielen Einzelgehöften und liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern im Ortskern. Ockershausen ist eine der wenigen Ortschaften in Hessen ohne Flurbereinigungsverfahren in den sechziger Jahren und ein Großteil der ursprünglichen Kulturlandschaft blieb uns erhalten.

Mit zwei Leitern und dicken Rucksäcken zogen wir unter den skeptischen Blicken der Ortsbewohner (nach dem Motto „die werden uns doch nicht die Kirschen stibitzen?“) zu unserem ersten Anlaufpunkt, einem Pflanzgarten mit alten Kirschensorten. Der Anstieg führte durch einen typischen Hohlweg zu einem seltenen Biotop mit vielfältiger ökologischer Funktion mit vielen Nischen für Tiere und Pflanzen mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen.
Kirschexkursion2006

Der Kirchenpflanzgarten liegt an einem sich nach Westen neigenden freiliegenden Hang. Er enthält ungefähr 50 Jungbäume auf der schwach wachsenden Unterlage „Gisela 5“, einer Züchtung der Arbeitsgruppe von Professor Werner der Justus Liebig Universität in Gießen, der seit 1963 an den schwach wachsenden Unterlagen forschte und derart schwach wachsende Unterlage aus zahlreichen Klonen selektierte.

Dr. Norbert Clement hat weder Mühen noch Aufwand gescheut, um 245 Kirschensorten auf die Mehrsortenbäume zu okulieren und die Sorten mit Metalletiketten genau zu registrieren. Die Pflanzung befindet sich noch in den Aufbauphase und würde sich später als Reisergarten und Lehrobjekt zur Kirschesortenbestimmungen bestens eignen. Diese großartige Sammlung dürfte in ihrer Vielfalt einmalig sein.

Weiter führte uns die Exkursion zu einem wundersam bestückten Brunnen im Heiligen Grund, denn dort sorgte der Referent für bereitstehende natürlich gekühlte Kirsch- und Apfelfruchtgetränken, ein Labsal für die Kehle bei der großen Hitze.

Beim anschließenden Picknick erfuhren wir Wissenswertes rund um die Kirschensorten und deren Anbau.

Als unabdingbare Standard-Literatur führte Norbert Clement aus dem Ulmer-Verlag Gerhard Götz, Süß- und Sauerkirschen auf. Dieses Buch führt 35 Sauerkirschensorten, in Esslingen angepflanzt, 103 Süßkirschensorten im Mössinger Kreis und 43 Brennkirschensorten im Kreis Lörrach auf. Von diesen Beständen mit sortenreinen Reisern konnte Norbert zahlreiche Sorten für den Ockershausener Pflanzgarten erhalten.

Tobias Vogel aus Forchheim in Oberfranken, einer reichen Kirschgegend, steuerte dankenswerterweise einige seltenen Sorten bei.

Hans Joachim Bannier, einer unserer besten Pomologen, führt mit einer Arbeitsgruppe der Fachhochschule Osnabrück, Fachbereich für Agrarwissenschaft, den Kirschenbestand, die Sortenbestimmung und Inventarisierung im Kreis Hagen durch und brachte als Mitautor zwei Bände mit farbigen Abbildungen und genausten Beschreibungen heraus, ein wichtiger Beitrag zur modernen Kirschenpomologie, die viel zu lange vernachlässigt wurde!

Im Heiligen Grund konnten wir zahlreiche Kirschbäume im fortgeschrittenen Alter in Augenschein nehmen und einige Kostproben mit Hilfe der mitgebrachten Leiter pflücken. Dieses Jahr hingen die Kirschbäume brechend voll und selbst die Vögel ließen genügend übrig für naschhafte Pomologen…Grosse-Prinzessinkirsche

Als Hauptsorte dieser Gegend wird die Große Prinzessinkirsche, eine Knorpelkirsche mit nicht färbendem Saft, angebaut. Diese Sorte, die bis in den Raum Frankfurt als Handelsware gelangt, hat viele Synonyme und heißt beispielsweise im Marburger Land Lauermannkirsche. Sie reift in der vierten Kirschenwoche, gehört damit zu den frühen Knorpelkirschen. Die Frucht ist herzförmig zum Stiel abgestumpft mit weißlich gelbem, gewürzreichem Fruchtfleisch und ist als Tafel- und Haushaltkirsche geeignet. Als besonderen Vorzug dieser Knorpelkirsche gilt es die Robustheit und die lange Haltbarkeit am Baum zu erwähnen.

Als letzte Station der informativen Erlebnistour erreichten wir den Kirschenlehrpfad, den Norbert in Zusammenarbeit mit örtlichen Schulen kreierte. Ziel ist es, hier Hochstämme mit jenen 26 Kirschensorten, die in „Deutschlands Obstsorten“ aufgeführt werden, nach und nach anzupflanzen und nach Reifezeiten zu ordnen. Unter den aufklappbaren Metalltafeln, jeweils an den Befestigungsgattern der einzelnen Kirschbäume, erscheinen die farbenprächtigen Chromolithographien (Kopien) mit kurzen Sortenbeschreibungen. Dieser Lehrpfad dient auch zur Sortenbestimmung und soll fortlaufend mit weiteren Anpflanzungen bereichert werden.

Mit vielen neuen Erkenntnissen bei schönstem Kirschwetter bedankten wir uns bei Norbert und Steffen für die lehrreichen Stunden und freuen uns schon auf die folgenden pomologischen Begehungen.


Gemeinsame Presseerklärung

Pomologen-Verein
Landesgruppe Hessen
Taunusstraße 17
61137 Schöneck

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Landesverband Hessen e.V.
Triftstr. 47
 60528 Frankfurt/M.

12. Juli 2006

Novelle des Naturschutzgesetzes gefährdet das Streuobst und die Obstsortenvielfalt

Der Pomologen-Verein und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) protestieren entschieden gegen die Aufhebung des gesetzlichen Schutzes für die hessischen Streuobstbestände. Dieses Vorhaben ist einer der Kernpunkte zur Novelle des Naturschutzgesetzes, das die Landesregierung im Mai in den Hessischen Landtag eingebracht hat. Die Landesregierung beschreitet nach Meinung der beiden Verbände einen Irrweg, der zur Vernichtung der letzten Streuobstbestände führen wird. „Die Arbeit der letzten Jahre würde zu Nichte gemacht“, kritisiert Martina Adams vom Pomologen-Verein. Und für BUND Vorstandssprecher Jörg Nitsch läutet die Landesregierung eine Zeitenwende ein, denn alle früheren Landesregierungen haben sich unabhängig vom politischen Farbenspiel immer für den Erhalt der Streuobstbestände eingesetzt.

Weitere Planungen der Landesregierung gefährden den Streuobstbestand zusätzlich. So soll die Förderung für Schnitt und Anpflanzungen von Neuanlagen künftig entfallen und durch die Änderung der Kompensationsverordnung zum Hessischen Naturschutzgesetz ist es bereits jetzt nicht mehr lohnend durch die Neuanlage und den Verjüngungsschnitt alter Streuobstflächen „Ökopunkte“ zu sammeln Alle diese Maßnahmen entziehen dem für die Kulturlandschaft so wertvollen Lebensraum „Streuobstwiese“ restlos den Boden. Der Pomologen-Verein und der BUND fordern den Hessischen Landtag nachdrücklich auf, es beim gesetzlichen Schutz der Streuobstwiesen zu belassen, denn nur so hat dieser in Hessen eine nachhaltige Zukunft!

Obstwiesen sind landschaftsprägend und sichern bekanntermaßen vielen Tier- und Pflanzenarten das Überleben. Sie sind ein wichtiger Naherholungsraum liefern regional und naturverträglich produziertes Obst. Streuobstwiesen sind das Fundament für den Betrieb der heimischen Keltereien und des hessischen Nationalgetränks Apfelwein. Ihr Schutz dient auch dem regionalen Gastgewerbe und ist damit Grundlage vieler Arbeitsplätze.

Zudem findet man auf alten Streuobstwiesen – anders als im Erwerbsobstbau – noch Hunderte verschiedener Apfel -, Birnen- und Kirschsorten mit charakteristischen Eigenschaften und zum Teil regionaler Anpassung. Die Erhaltung dieses Kulturerbes und der genetischen Ressourcen ist ein anerkanntes Ziel, dem sich speziell der Pomologen-Verein besonders widmet. Er hat in Streuobstbeständen viele seltene Sorten wiederentdeckt, von denen oft nur noch einige wenige Altbäume vorhanden sind. Die Aufhebung des Schutzstatus hätte zur Folge, dass der zwischenzeitlich gebremste Flächenschwund durch Rodung und Überbauung wieder zunehmen würde. Dies gefährdet nicht nur die langfristige Sicherung vieler Obstsorten, sondern führt auch zum unwiederbringlichen Verlust von heute bereits sehr seltenen Sorten, die für unsere Nachwelt erhalten werden sollten.

Rückfragen beantworten Ihnen

Martina Adams,
Schriftführerin des Pomologen-Vereins, Landesgruppe Hessen 0 6471 39179

Thomas Norgall,
Naturschutzreferent des BUND Hessen   069 67737614

Presseerklärung als Worddatei
 


Rückschau:

Fahrradexkursion am 25. Juli 2005 im Taunus pdf 225 kb
100. Mitglied geworben April 2004, PDF 40 kb
Apfelblütenausstellung Mai 2004, PDF 40 kb
Erdbeerausstellung in Kassel, Juni 2004, PDF 58 kb

Literaturhinweise

Fahndungsliste alter Obstsorten , PDF 20 kb
MÜHL, F.: Alte und neue Apfelsorten, 4. Aufl. München 2001, S. 255 (Schneeapfel)

KAHL, S.: Verzeichnis hess. Regional- und Lokalsorten, Wetzlar 2002

KAHL, S.: Erhaltenswerte Obstsorten für Hessen, Broschüre 28 Seiten


Weitere Aktivitäten:
Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt e.V.

Landesgruppe Rheinland-Pfalz   LG Rh-Pf, Pflanzaktion
Landesgruppe Sachsen Anhalt

Landesgruppe Westfalen

Verband der Gartenbauvereine Saarland-Pfalz e.V.


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