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Apfel des Jahres 2018 in Norddeutschland: „Roter Brasilienapfel“

Pflanzung „Apfel des Jahres“ – Roter Brasilienapfel am 5. April 2018 v.l. Eckart Brandt (Pomologe), Stefan Zimmermann (Direktor des Freilichtmuseums), Gudrun Hofmann (Vorstandsmitglied BUND Hamburg), Dr. Olaf Anderßon (Lüneburger Streuobstwiesenverein e.V.)   (Foto: FLMK)

Pflanzung „Apfel des Jahres“
– Roter Brasilienapfel am 5. April 2018
(Foto: FLMK)

Baumbeschnitt „Apfel des Jahres“ durch Eckart Brandt (Pomologe) – Roter Brasilienapfel am 5. April 2018 (Foto: FLMK)

Baumbeschnitt „Apfel des Jahres“ durch Eckart Brandt (Pomologe)
– Roter Brasilienapfel am 5. April 2018
(Foto: FLMK)

Gefährdete historische Sorte für die Nachwelt am Kiekeberg gepflanzt

Rosengarten-Ehestorf, 11. April 2018 – „Roter Brasilienapfel“ heißt der Apfel des Jahres. Der BUND Hamburg und das Freilichtmuseum am Kiekeberg haben der alten und seltenen Apfel­baumsorte am 5. April im Landwirt­schaft­lichen Entdeckergarten des Museums ein Zuhause gegeben.

Der „Rote Brasilienapfel“ fällt durch seine dunkelrote Schale auf. „Diese Färbung hat ihm seinen Namen verliehen“, erklärt Eckart Brandt, Obstbauer und Fachbuchautor: „Brasa“ ist portugiesisch und steht für die Glut des Feuers. Bis ins 17. Jahrhundert wurde ein kostbarer roter Farbstoff aus dem Brasilholz-Baum hergestellt. Dieser stammt von der Küste des heutigen Brasiliens. Früher machte die Schönheit der mundartlich auch „Brunsiel“ oder „Brunsilienappel“ genannten Frucht sie zum traditionellen Schmuck auf Hochzeitstafeln.

Erstmals beschrieb der Pastor und Pomologe Samuel David Ludwig Henne die Sorte im Jahr 1750. In den letzten 100 Jahren galt der „Rote Brasilienapfel“ als verschollen. Die Baumschule Quade im Amt Neuhaus (heute Landkreis Lüneburg) hat die seltene Sorte aber bis etwa 1950 angebaut. Unberührt von der wechselvollen Geschichte bleibt der „Rote Brasilienapfel“ im Grenzgebiet der ehemaligen DDR bestehen. Nach der Wiedervereinigung wird auch der Apfel wiederentdeckt. „Diese Apfelsorte ist extrem robust und übersteht sogar mehrwöchige Überflutungen in ihrem Lebensraum der Elbtalaue“, weiß Dr. Olaf Anderßon vom Lüneburger Streuobstwiesen e. V.

Der „Rote Brasilienapfel“ schmeckt feinsäurig und ist mit bis zu 15 Metern einer der höchsten Apfelbäume auf einer Streuobstwiese. Er verfügt über ausladende Äste. Von dieser historischen Sorte gibt es einige 100-jährige Hochstammbäume mit hoher Lebenskraft und sehr guter Widerstandsfähigkeit gegen Apfelschorf und Baumkrebs. „Es lohnt sich, die Hochstamm-Obstbäume zu erhalten. Sie ziehen Insekten und Vögel an – wie z. B. den Steinkauz – die anderswo kaum noch zu finden sind“, erklärt Gudrun Hofmann vom BUND Hamburg. Seit 2012 wird der „Rote Brasilienapfel“ regelmäßig aus Reisermaterial vermehrt.

Im Entdeckergarten am Kiekeberg gibt es eine Ahnenreihe zum „Apfel des Jahres“: Der Titel wurde zum 18. Mal verliehen. Die Gärtner des Freilichtmuseums pflegen die Obstbäume, um sie der Nachwelt zu erhalten. „Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz: Neben historischen Gebäuden und alten Haustierrassen bewahren wir auch Obst- und Gemüsesorten aus der Vergangenheit“, erklärt Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg. „Unser Team im Museumsbauernhof in Wennerstorf erntet die Früchte und vermostet sie zu Saft, den wir unseren Besuchern anbieten.“

Pressestelle der Stiftung Freilichtmuseum am Kiekeberg