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Klausurtagung 2015 der Pomologen in Naumburg

Teilnehmer der Tagung am Sonntag vor der verdi-Bildungsstätte Haus Naumburg (Foto: HNA Deutschländer)

Teilnehmer der Tagung am Sonntag vor der verdi-Bildungsstätte Haus Naumburg (Foto: HNA Deutschländer)

v.l.: Michael Ruhnau, 1. Vorsitzender, Claudia Thöne, Schriftführerin, Sabine Fortak, 2. Vorsitzende, Ulrich Kubina, Geschäftsführer, Dag Hornbacher, 3. Vorsitzender (Foto: HNA Deutschländer)

v.l.: Michael Ruhnau, 1. Vorsitzender, Claudia Thöne, Schriftführerin, Sabine Fortak, 2. Vorsitzende, Ulrich Kubina, Geschäftsführer, Dag Hornbacher, 3. Vorsitzender
(Foto: HNA Deutschländer)

Schon zum 5. Mal versammelten sich die Pomologen des deutschsprachigen Raumes in Naumburg im Tagungshaus der Gewerkschaft ver.di „Haus Naumburg“, um sich über inhaltliche Themen der Erhaltung alter Obstsorten zu beraten. Die Stadt Naumburg ist hier Mitglied und freut sich über die Unterstützung bei den Hessischen Pomologentagen, die in diesem Jahr vom 30. Oktober bis 1. November stattfinden. Jährlich nehmen hier über 60 Pomologen an den Obstsortenbestimmungsseminaren teil. Zur Klausurtagung kamen 50 Mitglieder, um sich intensiv mit verschiedenen inhaltlichen Themen zu beschäftigen. Die idyllische Lage im Elbetal, die Obstbäume am Wegesrand und die Streuobstwiese mit Hummelwerkstatt wurden begeistert aufgenommen.

Pomona ist die Göttin der Baumfrüchte, wozu neben dem Apfel auch die Birnen, Kirschen, Pflaumen, Aprikosen, Mandeln, Hasel- und Walnüsse gehören. Ganz so eng wird der Kreis aber nicht gezogen, denn auch die Beerensträucher und Erdbeeren kommen hinzu. Auch wenn gerade Erdbeeren und Him- sowie Brombeeren keine echten Früchte darstellen, sondern eine Sammelnussfrucht sind. Bei allen Obstsorten muss man heute feststellen, dass ehemals alte und robuste Sorten durch anfälligere ersetzt wurden, die dann nur durch chemische Behandlungen gut gedeihen. Hans-Joachim Bannier zeigte dies beispielhaft an den Kirschen auf.

Bis in die 1950er Jahre war die Versorgung mit Obst regional strukturiert. Obstwiesen mit Fruchtsorten, die nach und nach reiften und so über einen langen Zeitraum die Bevölkerung versorgten, wurden ersetzt mit der Öffnung des Marktes und den Import von Früchten aus wärmeren Regionen. So kamen Kirschsorten aus der Mode, die in Deutschland frühe Erträge brachten und die nicht gespritzt werden mussten, da zu dieser Zeit die Schadinsekten noch nicht ausgebildet waren. Erst im Laufe des Sommers kann sich die Fruchtfliege so vermehren, dass sie madige Früchte hervorbringt. Die einheimischen Früchte hatten eine weichere Haut und waren damit nicht so transportfähig. Sie hatten aber einen vortrefflichen Geschmack und waren auch zum Einkochen, wozu neben den ganzen Früchten auch Marmelade, Saft und Kompott zählt, bestens geeignet. Die heutigen Kirschen im Supermarkt können mit diesem Geschmack nicht mithalten. Dieses zeigte eine Kartierung alter Kirschbestände im Raum Hagen bei Osnabrück und Witzenhausen, die Hans-Joachim Bannier und Dr. Annette-Braun Lüllemann durchführten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verträglichkeit. Die mittelfrühen helleren Kirschen werden sehr viel besser vertragen als die späteren dunklen und können sogar von Allergikern verzehrt werden. Doch leider haben wir heute nicht mehr die Wahl, da die alten Sorten in den Baumschulen nicht mehr gezogen werden. Mitglieder des Pomologen-Vereins haben ein „Erhalternetzwerk“ gegründet, in dem sich viele Liebhaber mit ihren Obstwiesen einbringen und besondere alte Sorten oder aber auch auf alten Wiesen gefundene unbekannte Sorten aufpflanzen, um das vielfältige Genmaterial zu erhalten. Der Anteil an Äpfeln und Birnen ist hier hoch. Dringend gesucht werden Flächen für Kirschen & Pflaumen und weitere ungewöhnlicher Früchte. Nur so lassen sich die alten Sorten wieder vermehren & erhalten. Eine Reiseabgabe erfolgt über den Verein www.pomologen-verein.de .

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Streuobstpädagogik, die mit Beate Holderied als Initiatorin des „grünen Klassenzimmers“ präsentiert wurde. Gerade die Zielgruppe von 18 – 55 Jahren ist stark eingespannt und für Umweltthemen schwer zu erreichen. Hier fördern einige Landkreise in Baden Württemberg Schulen, die mit ihren Klassen spezielle Obstwiesen besuchen und dies über das ganze Jahr. Streuobstpädagogen erarbeiten mit den Klassen das Leben in der Streuobstwiese angefangen von den Tierspuren im Winter, dem Obstbaumschnitt mit den Eltern, die Obstblüte und das Thema Bestäubung, Insekten und Pflanzen in der Wiese, essbare Kräuter, u. a. und zum Abschluss natürlich die Ernte und Verarbeitung im Herbst. Claudia Thöne vom Natur-Informationszentrum Naumburg freut sich hier auf die Zusammenarbeit mit der örtlichen Schule. Kürzlich tagte eine kleine Arbeitsgruppe, um ein Programm ab Sommerferien für die Elbetalschule zu erarbeiten. Das Heft von Beate Holderied und ihre Erfahrungen werden hier vortrefflich einfließen.

Naumburg, den 4. Mai 2015

Stefan Hable

Bürgermeister


Dazu ist folgender Artikel in der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen HNA Wolfhagen vom 04.05.2015 erschienen:

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