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Oberdieck-Preis 2013 an Willi Hennebrüder

v. l.: Tochter von Willi Hennebrüder und Willi Hennebrüder (Foto: PA Stadt Naumburg)
v. l.: Tochter von Willi Hennebrüder und Willi Hennebrüder
(Foto: PA Stadt Naumburg)
v. l.: Steinmetz Uwe Bächt mit einem Sonderpreis in Stein, Bürgermeister Stefan Hable, Dr. Norbert Clement, Willi Hennebrüder (Foto: PA Stadt Naumburg)
v. l.: Steinmetz Uwe Bächt mit einem Sonderpreis in Stein, Bürgermeister Stefan Hable, Dr. Norbert Clement, Willi Hennebrüder
(Foto: PA Stadt Naumburg)
1. Reihe v. l.: Steinmetz Uwe Bächt, Bürgermeister Stefan Hable, Dr. Norbert Clement, Willi Hennebrüder 2. Reihe v. l.: Fritz Renner (1. Oberdieck-Preis Träger 1998), Claudia Thöne, Sabine Fortak (Foto: PA Stadt Naumburg)
1. Reihe v. l.: Steinmetz Uwe Bächt, Bürgermeister Stefan Hable, Dr. Norbert Clement, Willi Hennebrüder
2. Reihe v. l.: Fritz Renner (1. Oberdieck-Preis Träger 1998), Claudia Thöne, Sabine Fortak
(Foto: PA Stadt Naumburg)

Die Stadt Naumburg in Hessen und der Pomologenverein verleihen jährlich den OBERDIECK-Preis für die beste Erhal­tungsarbeit im Bereich der alten Obst­sorten in Deutschland. Der diesjährige Preisträger Willi Hennebrüder kommt aus Lemgo und ist seit vielen Jahren in der Ortsgruppe des BUND Lemgo aktiv. Die Liste der verdienstvollen Aktivitäten ist lang und beginnt mit der Wieder-Veröffent­lichung alter, vergriffener und selten zugänglicher Literatur. Gerade bei der Wiederentdeckung alter Obstsorten fehlen oft Referenzfrüchte, um zu überprüfen, ob die neu entdeckte alte Obstsorte auch wirklich diejenige ist, die gesucht wird. Hier kann eine genaue Sortenbeschreibung gute Dienste leisten, die in alten Obstlehrbüchern mit Sortenbeschreibungen, „Pomologien“ genannt, enthalten ist.

Auch die Veröffentlichung dieser Abbildungen und Beschreibungen in einer Internet­datenbank mit über 3500 Sortenbeschreibungen, zu der jeder Interessierte Zugang hat, dient der Erhaltung alter Obstsorten, und zwar nicht nur der Äpfel als beliebteste Frucht der Deutschen, sondern auch die weniger bekannten Früchte wie Birnen, Kirschen, Pflaumen und Quitten. So wurden z.B. auch die Abbildungen der „Pomona Franconica“ von Johann Prokop Mayer, einem Werk von unschätzbarem Wert, wieder der Öffentlich­keit zugänglich gemacht. Neben dem Wert für die wissenschaftliche Arbeit liegt darin auch eine „Demokratisierung“, d.h. Werke, die früher nur wenigen Adligen und Reichen zugänglich waren, kann heute jeder Interessierte im Internet anschauen. Darüber hinaus wurden auch noch weitere Obstsorten namentlich erfasst. Durch eine Recherche kann man herausfinden, in welchen der über 200 eingearbeiteten Werken die jeweilige Sorte beschrieben wurde.

Die Möglichkeiten des Internets in Bezug auf allgemeine Zugänglichkeit und stetige Ergänzung werden auch mit der Datenbank zum Thema „Apfelallergie“ genutzt. Hier kann jeder die Einträge von betroffenen Allergikern nachsehen, gegen welche Apfel­sorte sie nicht allergisch sind. Damit wurden schon viele Probleme gelöst und mannig­faltiger Nutzen gestiftet.

Nicht nur am Schreibtisch, sondern auch in der Landschaft kann der interessierte Bürger von Willi Hennebrüder entwickelte Produkte ansehen. So wurde beispielsweise ein Obstsortenlehrpfad mit alten Farbtafeln und Beschreibungen konzipiert und nach der Erstaufstellung über 10-mal auf andere Orte übertragen.

Die praktische Arbeit wurde durch in einer Werkstatt für Behinderte gefertigte Apfel­stiegen erleichtert, der Bezug von alten Obstsorten durch eine Baumschulliste mit Bezugsquellen alter Obstsorten. Für die Verbreitung des Gedankens des Schutzes der Streuobstwiesen durch Nutzung des Apfelsafts wurde ein Konzept zum Saftvertrieb in Cafés und Restaurants entwickelt. Zahlreiche Cafés aus der Region haben „Omas Apfelkuchen“ mit besonders geeigneten alten Apfelsorten auf ihre Speisekarte gesetzt.

Auch ganz praktisch wurde eine Apfelsorte aus der Region wiederentdeckt: die Apfel­sorte „Sertürners Renette“, die nach dem Hamelner Apotheker Sertürner, dem Entdecker des Morphins, benannt wurde und nun bereits in mehreren Exemplaren wieder gepflanzt wurde.

Die überaus erfolgreiche, langjährige Arbeit Willi Hennebrüders wurde nun mit dem bundesweit wichtigsten Preis für pomologische Erhaltungsarbeit, dem Oberdieck-Preis honoriert, verbunden mit der Hoffnung, dass sie erfolgreich fortgeführt wird und noch viele interessante Aktivitäten folgen.

Dr. Norbert Clement