Landesgruppe Brandenburg/Berlin

Ausbildungs­lehrgang zur Förderung einer umwelt­verträg­lichen Obstbaum­pflege

Im Dezember 2022 startet beim Land­schafts-Förder­verein Nuthe-Nieplitz-Niederung e. V. (LFV) in Kooperation mit dem Pomologen-Verein e. V. ein neuer einjähriger Lehr­gang. Der Lehr­gang ist für haupt- und ehren­amtlich Aktive in der Obst­baum­pflege und dem Natur­schutz konzipiert: Obst­bauer/bäuerinnen, Gärtner/innen, Klein­gärtner/innen, Baum­pfleger/innen.

Die Teilnehmenden erwerben und vertiefen Kenntnisse der Planung, Pflanzung, Pflege, Erhaltung und fach­gerechtem Schnitt von Obst­bäumen auf Streuobst­wiesen, in Gärten und an Land­straßen. Folgende Themen werden behandelt: Boden­kunde und Boden­bearbeitung, Pflanzung, Schnitt von Jung- und Alt­bäumen, Baum­schutz, Wund­behandlung, Sorten­bestimmung, Veredelung. Eine Besonder­heit des Lehr­gangs ist das Thema der Erhaltung und Revitalisierung von Alt­bäumen.

Neben jeweiligen Theorie­teilen zu den einzelnen Themen findet ein Groß­teil des Lehr­gangs in der Praxis auf unter­schied­lichen Streuobst­wiesen statt

Der Ausbildungs­lehrgang zur Obst­baumwartin/zum Obst­baumwart findet in fünf Modulen über die Jahres­vegetation zu den Wochen­enden (Do – Sa) statt. Alle Module können auch einzeln gebucht werden.

Haupt­referent: Hans-Georg Kosel
Dipl.-Ing., Betriebs­wirt, Pomologen-Verein e. V. – Landes­gruppe Brandenburg-Berlin

Für die verschiedenen Module wurden Expertinnen und Experten in den jeweiligen Fach­gebieten gewonnen, die praktisch anwend­bares obstbau­liches und natur­schutz­fach­liches Wissen vermitteln.

Einzelheiten Ausbildungslehrgang

Anmeldeformular


Mitglieder im Schloss Ribbeck und am Deutschen Birnen­garten

Zur Mitglieder­versammlung der Landes­gruppe Brandenburg / Berlin am 21. Mai lud Landes­sprecher Hans-Georg Kosel nach Ribbeck. Theodor Fontane dichtete bereits über vermutlich Brandenburgs bekanntesten Birnen­baum in seinem Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“, eine tolle Kulisse für die Veranstaltung.

Auf der Agenda standen unter anderem die Wahl eines stell­vertretenden Landes­sprechers sowie die des Kassen­wartes, die David Dangel (Stell­vertreter) und Matthias Erfurt (Kassen­wart) angenommen haben.

Im Anschluss an die Versammlung hatten alle Teilnehmenden die Möglich­keit an einer Führung durch den deutschen Birnen­garten im Schloss­garten des Ribbecker Schlosses (www.schlossribbeck.de) teil­zunehmen. Sechzehn Birnen – aus jedem Bundes­land ein Baum – gab es zu bewundern, darunter die Nord­häuser Winter­forelle, der Stuttgarter Geiß­hirtle und Clapps Liebling.

Am Nach­mittag stand die Exkursion zum Obst­bäumerich Konstantin Schroth an, der unweit von Ribbeck die sechs Hektar große und Bio-zertifizierte Obst­muckelei (https://www.der-obstbäumerich.de/) betreibt. Mit sehr viel Engagement und ebenso viel Fach­kenntnis bewirtschaftet der zertifizierte Obst­gehölz­pfleger die Bio-Streuobst­wiese.

Gemein­sam streiften wir durch die Anlage mit Apfel-, Birnen-, Kirschen- und Pflaumen-Hoch­stämmen sowie Wild­hecken, tauschten uns über den Anbau von Ess­kastanien und lange trockene Früh­jahre aus. Interessant sind auch seine aus der Agroforst entnommenen Ideen, zusätzlichen Sicht- und Wind­schutz mit schnell­wachsenden Gehölzen entlang der Straße zu schaffen. Seine Aktivitäten auf der Fläche beziehen auch die Imkerei sowie Kinder- und Erwachsenen­bildung mit ein.

Ein beeindruckendes Projekt. Danke Konstantin für die Führung.


Nachruf auf Jürgen Sinnecker

Der Apfelmann

Anfang November verstarb unser uns allen als Apfel­mann bekannter Freund, Kollege und Mitglied des Pomologen-Vereins Jürgen Sinnecker.

Jürgen Sinnecker ist in Berlin aufge­wachsen und lebte seit 1982 mit seiner Frau Friedrun nahe Zehdenick inmitten von Feldern auf einem Grund­stück mit einer großen Obst­wiese. Hier pflanzte und pflegte er nicht nur die Bäume, sondern es lag ihm viel an der arten­reichen Tier- und Pflanzen­welt. Zahl­reiche Fotos von Blüten sowie großen und kleinen Tieren zeugen von seiner Liebe zum Detail.

Seit vielen Jahren begeisterte er die Kinder in Zehdenick und Umgebung, wenn er in Kinder­gärten und Schulen einge­laden wurde. Diese nannten ihn bald den Apfel­mann. Dieser Name gefiel Jürgen Sinnecker so gut, dass er von nun an der Apfel­mann war und seine Home­page so nannte.

Wer im Internet den Apfel­mann sucht, kommt sofort auf die seine Home­page, die er sehr liebe­voll für Jung und Alt, für Apfel­lieb­haber und solche, die es werden wollen, für Menschen, die obst­kundliche Unter­haltung suchen oder eine spezielle Frage zu ihrem Obst­baum oder Früchten haben, gestaltet hat. Egal ob es historische Fach­literatur oder lustige Gedichte, Koch­rezepte oder Baum­schule und Mostereien in der Region waren, Jürgen hat sie gesammelt, sortiert zusammen­gestellt und für jeden zugäng­lich gemacht.

Nicht nur im Internet, sondern vor allem auf den Apfel­tagen in der Umgebung war er bald nicht mehr wegzu­denken. Seine Ausstellungen waren einzig­artig. Die große Vielfalt der Apfel­sorten der Obst­wiesen brachte er auf langen Tischen zum Ausdruck. Und im Früh­jahr? Da gab es auf der LAGA in Wittstock einen eigenen Tisch mit Apfel­blüten, die von fast schnee­weiß bis dunkel­rosa die Besucher faszinierten. 

Geduldig und unterhalt­sam bestimmte er die mitge­brachten Äpfel und Birnen, erklärte die Probleme ihrer Obst­bäume und sagte nicht selten, dass auch ein Baum sich über ein Geburtstags­geschenk in Form einer Düngung oder Pflege­maß­nahme freut. Immer widmete er sich den Kindern, denen er gern auf die ihm eigene Weise erklärte, wie man mit madigen Früchten umzu­gehen hat.

Sehr engagiert hat er sich in der Erhaltung und dem Aufspüren von Lokal­sorten. Bei den Kartierungen fand er die verschiedensten Typen der Hasen­köppe, die er nicht nur mit Senioren gemeinsam verkostet hat, sondern zur Erhaltung der Sorten­vielfalt auch vermehren ließ. Der „Zehdenicker Landapfel“ fehlt auf keiner Ausstellung. Gern hätte er auch die in Rheinsberg einst bekannte Sorte „Friedrich der Große“ ange­siedelt. Leider fehlte ihm durch seine Krank­heit die Kraft, umfang­reich danach zu recherchieren.

Trotz seiner schweren Krank­heit arbeitete er intensiv an seiner Home­page, lud uns zu pomologischen Nach­mittagen ein, wo wir gemeinsam die schwierigen Sorten auseinander­nahmen und unter­stützte uns „Nachwuchs­pomologen“ mit Apfel­päckchen, Literatur oder Telefonaten, die nicht selten vom Kranken­haus kamen. Bewunderns­wert war sein unerschöpf­licher Lebens­mut, sich trotz der Krank­heit an den kleinen Dingen des Alltags zu erfreuen, sei es die Biene auf der Blüte, ein drolliger Stiel­wulst am Apfel oder ein verrücktes Huhn auf dem Hof.

Im Herbst des Jahres 2020 wurde Jürgen Sinnecker für seine heraus­ragenden Leistungen auf dem Gebiet der Erhaltung pflanzen­genetischer Ressource im Obstbau mit dem Oberdieck-Preis der Stadt Naumburg (Hessen) und dem Pomologen-Verein e.V. geehrt. Auf der Oberdieck-Wiese in Naumburg wird der „Quittenapfel vom Fünffinger­stein“ nun an sein Wirken erinnern.

Jürgen Sinnecker wurde 68 Jahre alt. Wir sind sehr dankbar, unseren Apfel­mann als Kollegen, Freund und Berater an unserer Seite gehabt zu haben und werden ihn und seine großen Verdienste in guter Erinnerung behalten.