Stellungnahmen & Positionen der AG Gentechnik

Keine Deregulierung neuer Gentechnik-Verfahren!

Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ist in Deutschland nicht zugelassen, bis auf eine Ausnahme. Dennoch begegnet uns die Gentechnik bei Futter­mitteln für Tiere, bei Baum­wolle für Kleidung. Lebens­mittel sind in Deutschland eher versehent­lich mit gentechnisch veränderten Stoffen „kontaminiert“. Mit großer Sorge verfolgen wir die hastig durch­gepeitschen neuen Regelungen zur Gentechnik in der Landwirt­schaft auf EU-Ebene!

Da es derzeit neben Futter­mitteln haupt­sächlich um gentechnisch veränderte Lifestyle-Produkte geht, scheint diese Eile nicht geboten.

Für den Klima­wandel bieten die neuen und alten Gentech-Verfahren leider keine Lösung, weil sie im Grunde einen falschen Ansatz haben.

Es gibt sie auch (noch?) nicht.

In der jetzigen Zeit hilft Vielfalt, welche die Natur besser als alle Labore der Welt erzeugen kann. Die Jahr­millionen gewachsene Anpassungs­fähigkeit der Pflanzen (z.B. nutzen das neuere Züchtungen von klima­angepassten Populationen in der Landwirt­schaft) sollte nicht unter­schätzt und die Potenziale der gentechnischen Verfahren nicht über­schätzt werden.

Der PV hat mit 138 anderen Organisationen dieses Positions­papier unter­schrieben.

Positionspapier zu Gentechnik-Verfahren

Es gibt auf der PV-Internet­seite eine Petition von We act und noch eine Petition von Arche Noah, die große Resonanz haben und verdienen.

Zu diesem Thema ist auch der Vortrag von H.-J. Bannier „Ökolog. Apfelzüchtung statt Neuer Gentechnik CRISPR-Cas“ sehr gut geeignet:

» Vortrag bei YouTube ansehen

 

Stellung­nahme vom Vorstand des Pomologen-Vereins

Die vollmundigen Versprechen, dass GT- und NGT-Pflanzen weniger Pestizide benötigen als auch mehr Ertrag bringen, haben sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Es gibt in diesen Punkten eine Verschlechterung. In Indien führte das dazu, dass nun vom Anbau von GT-Baum­wolle abgeraten wird. Und angeblich klima­rettende Pflanzen sind über­haupt (noch?) nicht da. Statt­dessen gibt es in den USA Äpfel, die nicht bräunen und deshalb lange frisch aussehen, selbst wenn sie es nicht mehr sind.

Der weitaus größte Teil der GT- und NGT-Pflanzen sind wie diese Äpfel Lifestyle-Produkte. Brauchen wir das? Da in Deutschland eine große Mehrheit sich gegen Gentechnik in Lebens­mitteln ausspricht, kann ange­nommen werden, dass diese sich hier kaum zum Verkaufs­schlager entwickeln könnten. Wenn es erkennbar wäre, dass dies gentechnisch veränderte Produkte sind. Aber genau das soll sich auf Betreiben der Industriellen Landwirt­schaft ändern. Die Kennzeichnungs­pflicht von gentechnisch veränderten Pflanzen soll erheblich verwässert, womöglich komplett ausge­hebelt werden. Wenn die EU-Kommissions­vorschläge sich durch­setzen würden, wüssten wir nicht mehr, was auf den Tisch kommt. Wahl­freiheit ade! Der Kommissions­vorschlag ist ein kompletter Bruch mit dem Vorsorge­prinzip der EU.

GT und NGT würden nicht kennzeichnungs­pflichtig sein, bis zu einer willkürlich ange­nommenen Anzahl von 20 GT-Veränderungen in einer Pflanze. Unter dieser Zahl liegen nahezu alle derzeit existierenden GT- und NGT-veränderten Nahrungs­mittel.

NGT (neue Gentechnische Verfahren wie z.B. CRISPR-CAS soll anders als die „alte“ Gentechnik noch kaum nachweisbar sein. Sie gilt als präzise und deshalb harmlos, allerdings sind mit den neuen Gentechnischen Verfahren weitaus umfang­reichere Eingriffe in den eigentlich sehr gut gegen Einflüsse geschützten Bereich des Genoms möglich geworden.

Es besteht die Gefahr, dass der gesamte Bio-Bereich zu Grabe getragen wird. Bei Bio galt bislang etwas verkürzt gesagt, dass alle Züchtung in der Natur und nicht im Reagenz­glas statt­finden soll. Leider sind einige Bio-Akteure hier nicht so ganz standfest, sehen sie ihre Felle davon­schwimmen und heulen jetzt mit den Wölfen, um nicht unter­zugehen?

Der Bio-Bereich hat noch zu wenig eigene Züchtung. Ein Grund mehr, hier vermehrte Anstrengungen zu unter­nehmen, aber die Zeit ist knapp. Wie Äcker mit Biopflanzen vor gentechnischen Verunreinigungen aus der Nachbar­schaft geschützt werden sollen, ist ungeklärt. Das Verursacher­prinzip wäre ausge­hebelt. Kosten würden womöglich die Bio-Betriebe selbst tragen müssen.

Ein weiteres riesiges Problem ist die derzeitige Praxis bei der Vergabe von Patenten. Mit der Deregulierung der Gentechnik wird eine Ausweitung von Patenten auch auf konventionell erzeugte Pflanzen­eigen­schaften möglich.

Die Anbau­verbände Demeter, BÖLW, Bioland, Naturland und viele weitere haben kritische Stellung­nahmen veröffent­licht, die ABL hat ein dickes Aktions­paket geschnürt, aber noch ist der Aufschrei in der Bevölkerung nicht stark genug ins Rollen gekommen und schon ist es eben mal auf die Schnelle in der EU in die Wege geleitet?

Sabine Fortak für den Vorstand

Quellen­angaben: Bitte die gekenn­zeichneten Links anklicken.


Stellungnahme im Rahmen des impact assessment zur neuen Gentechnik

vom 22. Oktober 2021

Wir widersprechen den Bestrebungen der EU-Kommission, bestimmte Gentechnik-Verfahren (wie z.B.
CRISPR/Cas) künftig nicht mehr als Gentechnik, sondern wie normale Züchtungsverfahren zu behandeln,
und ihre Risiken aus der im Gentechnikrecht erforderlichen strengen Risikoprüfung auszunehmen …

Brief an die Europäische Kommission


Neues Gentechnikverfahren CRISPR/Cas9 umstritten

Am 6. April erschien in der TAZ ein Interview mit Urs Niggli, dem Leiter des Schweizer ‚Forschungs-Instituts für den Biologischen Landbau‘ (FIBL), in dem dieser sich für die vereinfachte Zulassung des gentechnischen Züchtungsverfahrens 'CRISPR/Cas9' ausspricht und dieses sogar für den Biologischen Anbau empfiehlt. Dieses Interview löste eine Reihe entrüsteter Reaktionen aus.

Mehr dazu lesen:


Antrag von Agroscope mit Feldversuchen mit gentechnisch veränderten Äpfeln der Sorte Gala

Agroscope will im Frühjahr 2016 einen Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Apfelbäumen der Sorte Gala starten, die gegen Feuerbrand resistent sind. Der Antrag wurde im Herbst 2015 an das Bundesamt für Umwelt (Bafu) gestellt und ist derzeit (April 2016) noch nicht entschieden.

Mehr dazu lesen:


Bald gentechnisch veränderte Äpfel in den USA ?

Die kanadische Firma Okanagan Specialty Fruits Inc. (OSF), Summerland, B.C. hat verschiedene Weltmarktsorten gentechnisch so verändert, dass sie nicht mehr verbräunen, wenn sie aufgeschnitten werden. Mittels Agrobakterium tumefaciens wurden Genkonstrukte in das Genom u. a. von Granny Smith, Golden Delicious, Gala und Fuji eingeschleust, die dafür sorgen, dass der Oxidationsprozess, der zum Verbräunen der Äpfel führt, nicht stattfindet bzw. reduziert wird.

In den USA gibt es einen großen Markt für industriell vorgefertigte Apfelstücke.

Aktuell hat die Firma OSF in den USA eine Anbau- und Marktzulassung für die Sorten Granny und Golden (ArcticTM Golden und ArcticTM Granny) beantragt. Auch in Kanada läuft ein Zulassungsverfahren.

Der Pomologen-Verein e.V. hat bei der amerikanischen Zulassungsbehörde USDA / APHIS eine Stellungnahme abgegeben. Dabei wurde der Verein insbesondere bei der englischen Übersetzung sehr von Christof Potthof und Anahita Bidjanbeg vom Gen-ethischen Netzwerk unterstützt.

Stellungnahme des PV vom 06.12.2013 (als PDF 225 KB)

Nachtrag am 25.02.2015

Der Arctic apple wurde nun vom US-Landwirtschaftsministerium im Februar 2015 zugelassen. Die gentechnische Veränderung findet sich in den Sorten Golden Delicious und Granny Smith wieder. Es gibt keine Deklaration. Wir berichteten im Jahresheft 2013.

Entwurf für ein Konzept für die On-farm-Bewirtschaftung pflanzengenetischer Ressourcen in Deutschland (vorgelegt zur 19. Sitzung des BEKO am 3. Juni 2013), Kommentar des Dachverbands Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt e.V.

Pressemitteilung vom 22. Mai 2013 des Dachverbandes Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt e.V.: Kulturpflanzenvielfalt in Deutschland schützen

Kommentar zum Nationalen Fachprogramm zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturpflanzen (Fassung 6. März 2012) des Dachverbandes Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt e.V. und der Interessengemeinschaft gentechnikfreie Saatgutarbeit vom 17. April 2012


Position des Pomologen-Verein e.V.
zur Biodiversität und Gentechnik im Obstbau im

Sonderheft der AG Gentechnik im Pomologen-Verein e.V. (56 Seiten)

Stellungnahme des Pomologen-Vereins e.V.
zu der EU-Richtlinie 2008/90/ EG Inverkehrbringen von Vermehrungsmaterial und Pflanzen von Obstarten zur Fruchterzeugung
vom 23. Februar 2010

Stellungnahme des Pomologen-Vereins e.V.
zum Entwurf des Nationalen Fachprogramms und der Zusammensetzung der Beratergremien
vom 21. November 2008

Positionspapier des Pomologen-Verein e.V. 
zum Netzwerk Deutsche Genbank Obst (DGO)
vom 29. September 2008